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Schuldenbereinigung und Insolvenzverfahren

oder was der „Experte“ beim Stammtisch nicht alles darüber wußte!

Teil 1 – außergerichtliche Schuldenbereinigung

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich bin immer wieder auf neue verblüfft was für öffentliche Meinungen es über das Insolvenzverfahren und die Schuldenbereinigung gibt. Diese Meinungsbilder werden so erschreckend dargestellt, das viele den Schritt in die Schuldnerberatung und die Insolvenz scheuen. Leider tragen manche Verfahrensbeteiligte (Berater, Verwalter, etc.) zu diesen negativen Bildern bei. Ich höre immer öfter von Beratern, denen die Mandanten und deren Probleme, sagen wir es mal nett, egal sind. Den Schuldnern wird vorgehalten wie blöd sie doch waren, das sie in so eine Situation geraten sind. Sind wir doch mal ehrlich, die meisten Menschen, die in der Schuldenfalle sitzen, wissen das was falsch gelaufen ist. Da stellt sich mir dann immer die Frage, warum manche Berater sich hinsetzten und diese Menschen niedermachen. Jeder Mensch macht Fehler, entweder weil sie naiv waren, zu verschwenderisch gelebt haben oder warum auch immer. Es gibt einen schönen Satz der heißt: „hinterher ist man immer schlauer“. Wichtig ist, was wir aus unseren Fehlern machen und vor allem was wir daraus lernen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema, das öffentliche Bild zur Schuldenbereinigung und zum Insolvenzverfahren könnte man beschreiben mit: viele Meinungen – wenig Wissen. Ich möchte hiermit etwas Aufklärung betreiben, da ich in den ersten Minuten einer Beratung meistens damit beschäftigt bin die Meinungen, die der Mandant von Freunden, Familie und Bekannten (den s. g. „Experten“) gehört hat, richtig zu stellen. Viele kommen an der Stelle schon aus dem staunen nicht mehr raus. Die Klassiker der „Expertenaussagen“ sind: das es zeitlebens keine Kredite mehr gibt, man Tag und Nacht überwacht würde, jede Ausgabe genehmigen lassen muß, Haushaltsbuch führen, Heiraten nur mit Erlaubnis, Arbeitslose dürften nicht in die Insolvenz, man müßte sich bis auf die Unterhose ausziehen, etc. Auf gut deutsch: nur Erniedrigungen und der Berater / Verwalter als Schreckgespenst Tag und Nacht im Nacken. Ich glaube, ich spreche hier für alle Berater wenn ich sage, wir wollen ihre Unterhose nicht sehen und der Gesetzgeber hat auch kein Interesse daran, ganz ehrlich, versprochen!

Also beginnen wir mit der Realität, ich möchte Ihnen kurz beschreiben wie eine Schuldnerberatung bei mir abläuft. Sie nehmen mit mir Kontakt auf, entweder per Mail oder Telefon. Einen Termin erhalten Sie kurzfristig, denn was bringt es ihnen, wenn Sie einen Termin in 6 Monaten bekommen, außer noch mehr Schulden, da Kosten und Zinsen weiter wachsen. Termine werden individuell vergeben, sie können erst abends ab 22 Uhr oder nur morgens um 5 Uhr? Ok soll mir recht sein! Zu dem Termin bringen Sie alle Unterlagen oder das was Sie noch finden können („Sockenphänomen“) mit ins Büro. Dort wird alles gesichtet, um die Situation schon einmal grob abschätzen zu können. Es wird erklärt was nun wirklich auf Sie zukommt. Erstmal werden Ihre Gläubiger angeschrieben und bekommen die Gelegenheit mitzuteilen, welche Hauptforderungen, Kosten und Zinsen Sie ihnen schulden. In dieser Zeit werden Sie auch gebeten keine Zahlungen mehr an die Gläubiger zu leisten, damit sich die Zahlen nicht immer wieder ändern. Sobald alle Gläubiger gemeldet haben wird ein außergerichtlicher Schuldenbereinigungsplan erstellt. In diesem wird Ihren Gläubigern eine Summe angeboten, diese ist entweder der pfändbare Teil Ihres Lohns/Gehalt oder ein freiwilliger Betrag, wenn Sie keine pfändbaren Bezüge haben. Es gibt auch die Möglichkeit einer Einmalzahlung, jedoch wird diese seltener genutzt als ein monatlicher Ratenplan. Aus dem, was den Gläubigern als Zahlung angeboten wird und dem was der Schuldner diesen schuldet, errechnet sich eine s. g. Quote, nach dieser wird errechnet was der Gläubiger wann und wie lange bekommt. Klingt kompliziert ich weiß! Wenn die Gläubiger dann diesem Plan zustimmen, erklären Sie sich bereit, nach Ablauf der Zahlungen auf die restlichen Schulden zu verzichten. Nun gibt es drei Möglichkeiten. Erstens: alle Gläubiger stimmen dem Plan zu. Das ist natürlich das optimale. In diesem Fall wird ein Anderkonto eingerichtet, welches nur für Ihr Verfahren betrieben wird. Auf dieses Konto zahlen Sie oder Ihr Arbeitgeber die monatliche Rate ein und es wird von hier aus an die Gläubiger verteilt. Die zweite Möglichkeit: es haben nur ein oder zwei Gläubiger dem Plan nicht zugestimmt. Das ist wie mit den Hunden, die kleinsten sind die zickigsten. Dann kann im Wege eines gerichtlichen Schuldenbereinigungsplans, die Einwendungen durch Zustimmung des Gerichts ersetzt werden (dazu mehr im nächsten Artikel). Möglichkeit drei: zu viele Gläubiger stimmen nicht zu. Diese Variante bietet wieder zwei Möglichkeiten, a) Angebot nachbessern oder b) Insolvenzantrag stellen (auch dazu mehr im nächsten Artikel).

Die meisten Schuldner sind froh, sobald sie diese Informationen haben und das Gespräch „lebend“ überstehen. Immer wieder höre ich die Worte „das war ja gar nicht so schlimm“, worauf ich die Mandanten anlächele und sage, ja bei mir ist noch jeder lebend wieder raus gekommen. Was ich und auch andere Berater nicht können ist Zaubern. Manche Mandanten erwarten magische Fähigkeiten von uns, da kann ich Ihnen jedoch nur sagen, ich trage zwar eine Brille, bin aber nicht Harry Potter und zaubern kann ich auch nicht. Im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan sind Sie, anders als in der Insolvenz nicht pfändungsgeschützt. Die meisten Gläubiger wenden sich während der Verhandlungen nicht mehr an Sie aber einige schon. Sie versuchen noch immer gem. dem Windhundprinzip an Ihr Geld zu kommen. Manch ein Mandant ruft an und fragt warum die Gläubiger Ihn weiter mit Mahnschreiben quälen. Die einfache Antwort: die versuchen durch diese Schreiben doch noch eine Zahlungsreaktion zu bekommen. Diese Schreiben werden meistens automatisch vom PC ausgeworfen und verschickt ohne das eine Person dazu etwas beiträgt, wenn man diese Firmen dann anruft, bekommt man nur die Antwort das ist im Programm drin, das können wir nicht stoppen. Unglaublich aber wahr! Ich hoffe Ihnen mit diesem Artikel etwas die Angst genommen zu haben und wir lesen uns im nächsten Artikel wieder. Sollten Sie vorher Fragen haben, melden Sie sich bitte. Ihre Nina Ewers

 


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